31.03.2026
Zum Welt-Autismus-Tag am 2. April 2026 zieht der Landesverband Lebenshilfe Berlin e.V. eine ernüchternde Bilanz: Obwohl die Berliner Bildungsverwaltung selbst bestätigt hat, dass bis zu 2.800 Schülerinnen und Schüler nicht, unregelmäßig oder verkürzt beschult werden, sind bislang keine konkreten Maßnahmen ergriffen worden.
Senatsverwaltung bestätigt: Bis zu 2.800 Kinder ohne ausreichenden Schulbesuch
Vor einem Jahr, ebenfalls am Welt-Autismus-Tag, hat der Lebenshilfe Berlin e.V. ein Positionspapier zur Nicht- und verkürzten Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen oder sonderpädagogischen Förderbedarfen veröffentlicht. Wir hatten damals auf Basis von Schätzungen und Berichten aus Beratungsstellen von mindestens 1.000 bis 2.000 betroffenen Kindern in Berlin gesprochen.
Diese Zahlen haben sich nach einer Umfrage der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) vom Mai 2024 nicht nur bestätigt – sie liegen sogar weit darüber: Für mindestens 2.300 bis 2.800 Schülerinnen und Schüler muss nach den Ergebnissen der eigenen Verwaltungserhebung angenommen werden, dass sie verkürzt, unregelmäßig oder kaum bis gar nicht beschult werden. Besonders stark betroffen sind:
Als Gründe werden unter anderem zu wenig qualifiziertes Personal für die notwendige intensive Einzelbetreuung sowie mangelnde Rückzugsräume an den Schulen benannt. Auch dies deckt sich mit den in unserem Positionspapier beschriebenen systemischen Defiziten.
Ankündigungen ohne Konsequenzen: Senat bleibt untätig
Bereits im Mai 2025 hatte die Senatsverwaltung in ihrer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage (Drs. 19/22544) eingeräumt, dass sich „konkrete Maßnahmen im Abstimmungsprozess“ befinden. Seitdem ist offiziell nichts geschehen.
Wir stellen fest:
Besonders bezeichnend: Die Senatsverwaltung stuft ihre eigenen erhobenen Daten als nicht belastbar ein und hat dennoch über ein Jahr lang keine belastbare Erhebung initiiert. Ohne valide Datenbasis sind wirksame Maßnahmen kaum möglich.
Für die betroffenen Kinder und ihre Familien bedeutet jeder weitere Monat des Wartens: mehr versäumte Bildung, mehr soziale Isolation, mehr Druck und Erschöpfung für die Angehörigen – besonders für die Mütter, die oft ihre Berufstätigkeit aufgeben müssen.
„Bildung ist ein grundlegendes Recht, das unabhängig von Behinderung oder Unterstützungsbedarf gilt. Dass wir auch ein Jahr nach unserem Positionspapier über dieselben unbewegten Zustände berichten müssen, ist nicht hinnehmbar“, so Simone Dreblow, 2. Vorsitzende des Landesverbandes.
Unsere Forderungen: Handeln statt Vertagen
Der Lebenshilfe Berlin e.V. fordert den Berliner Senat auf:
Wer sind wir
Die Lebenshilfe Berlin engagiert sich für Menschen mit Beeinträchtigung und ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der alle dazugehören – Jung und Alt, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, egal welcher Herkunft. Als Selbsthilfe-Organisation vertreten wir seit 1960 die Interessen von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigung in Politik und Öffentlichkeit. Ziel unserer Arbeit ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und Inklusion in allen Lebensbereichen.
Der Lebenshilfe Berlin e. V. ist ein verbandsklageberechtigter Antidiskriminierungsverband sowie ein Verband gemäß § 8 Abs. 3 LGBG.
Ansprechpartnerin:
Wencke Pohle (Referentin für Sozialpolitik)
Lebenshilfe Berlin e.V.
Mobil: 0176 / 10 17 91 07
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Pressekontakt:
Nadine Ehrentraut (Leiterin Verbandskommunikation)
Lebenshilfe Berlin e.V.
Mobil: 0151 / 40 63 4106
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