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Der Tannenbaum von Hans Christian Andersen Vorlesen

23. Dez 2019Hans Christian Andersen
Der Tannenbaum

Draußen im Wald stand ein niedlicher kleiner Tannenbaum. Er hatte einen guten Platz. Sonne konnte er bekommen. Luft war genug da. Und überall wuchsen viele große Tannen und Fichten.

Der kleine Tannenbaum wünschte sich größer zu werden. Er achtete nicht auf die warme Sonne und die frische Luft. Und er kümmerte sich nicht um die spielenden Kinder.

Die Kinder gingen umher und plauderten. Sie sammelten Erdbeeren und Himbeeren. Dann setzten sie sich neben den kleinen Tannenbaum und sagten: »Wie niedlich klein der ist!«

Das wollte der Baum gar nicht hören. Er wollte groß sein.

Die Kinder und der kleine Tannenbaum

Im nächsten Jahr war der kleine Tannenbaum um einen langen Trieb größer. Das Jahr darauf um noch einen. An den vielen Trieben kann man sehen, wie alt die Tannenbäume sind.

»Oh, ich möchte so ein großer Baum wie die anderen sein«, seufzte der kleine Baum. »Dann könnte ich meine Zweige weit ausbreiten und mit der Krone in die Welt hinaus blicken. Die Vögel bauen dann Nester in meinen Zweigen. Und wenn der Wind weht, nicke ich vornehm. Wie die anderen Bäume dort.«

Er freute sich nicht über den Sonnenschein. Er freute sich nicht an den Vögeln und nicht an den roten Wolken, die morgens und abends über ihn segelten.

Im Winter lag überall der Schnee weiß und funkelnd. Oft kam ein Hase angesprungen. Er hüpfte über den kleinen Baum hinweg. Oh, das gefiel dem kleinen Baum gar nicht. War er denn immer noch so klein?

2 Winter vergingen. Im dritten Winter war der Baum groß. Jetzt musste der Hase um ihn herum laufen.

Oh, wachsen, wachsen, groß und alt werden. Das ist doch das einzig Schöne in dieser Welt! dachte der Baum.

Im Herbst kamen immer Holzfäller. Jedes Jahr fällten sie einige der größten Bäume.

Wenn der junge Tannenbaum das sah, bekam er Angst. Er war nun auch groß. Fällten sie auch ihn?

Die großen, prächtigen Bäume fielen mit Prasseln und Krachen zur Erde. Die Zweige wurden ihnen abgehauen. Die Bäume sahen ganz nackt, lang und schmal aus. Sie waren fast nicht mehr zu erkennen.

Dann legten die Holzfäller die Bäume auf die Wagen. Und Pferde zogen sie aus dem Wald hinaus. Wo sollten die Bäume hin? Was stand ihnen bevor?

Im Frühjahr kamen die Schwalben und Störche. Der Baum fragte sie: »Seid ihr den Bäumen begegnet? Wisst ihr, was mit ihnen passiert ist?«

Die Schwalben wussten nichts.

Aber der Storch nickte mit dem Kopf und sagte: »Ja, ich glaube wohl. Als ich aus Ägypten geflogen kam, habe ich viele neue Schiffe gesehen. Auf den Schiffen lagen prächtige Bäume. Ich glaube, das waren sie. Sie rochen nach Tanne und sahen prächtig aus, wirklich prächtig.«

»Oh, wäre ich doch groß genug, um über das Meer zu fahren! Wie ist denn dieses Meer? Wie sieht es aus?«

Der Storch sagte: »Ja, das ist schwer zu erklären.«

Er sagte es und ging fort.

»Freue dich über deine Jugend«, sagten die Sonnenstrahlen. »Freue dich über dein junges Leben.«

Der Wind küsste den Baum. Der Tau weinte Tränen über ihn. Aber der Tannenbaum verstand das nicht.

Wenn die Weihnachtszeit kam, wurden ganz junge Bäume gefällt. Bäume, die nicht so groß oder so alt waren wie dieser Tannenbaum. Es waren aber die schönsten Bäume. Sie alle konnten ihre Zweige behalten. Die Holzfäller legten sie auf Wagen. Pferde zogen sie aus dem Wald hinaus.

Der Tannenbaum fragte: »Wo sollen die hin? Sie sind nicht größer als ich. Es war sogar einer dabei, der viel kleiner war. Weshalb behalten sie ihre Zweige? Wo fahren sie hin?«

Die Sperlinge zwitscherten: »Das wissen wir! Das wissen wir! Wir wissen, wohin sie fahren. Unten in der Stadt haben wir in die Fenster geschaut. Oh, sie kommen zur größten Pracht und Herrlichkeit, die man sich nur denken kann! Die Bäume stehen mitten in der warmen Stube. Sie werden mit den schönsten Sachen geschmückt: mit vergoldeten Äpfeln, Honigkuchen, Spielzeug und vielen hundert Kerzen.«

Der Tannenbaum bebte in allen Zweigen. »Und dann? Was geschah dann?«

Die Sperlinge antworteten: »Ja, mehr haben wir nicht gesehen. Aber es war unglaublich!«

Die Sperlinge schauen durch ein Fenster

Der Tannenbaum jubelte: »Ob ich das auch erlebe? Gehe ich auch diesen strahlenden Weg? Das ist noch besser, als über das Meer zu ziehen. Wie ich mich sehne. Wäre es doch schon Weihnachten. Oh, wenn ich erst auf dem Wagen bin. Wenn ich erst in der warmen Stube bin mit aller Pracht und Herrlichkeit. Und dann? Dann kommt bestimmt noch etwas Besseres. Noch Schöneres. Weshalb schmücken sie uns sonst so? Es muss etwas noch Größeres, etwas noch Herrlicheres kommen! Aber was? Oh, ich kann es kaum erwarten. Ich kann es kaum erwarten.«

Die Luft und das Sonnenlicht sagten: »Freue dich über uns. Freue dich über deine frische Jugend im Freien!«

Aber der Tannenbaum freute sich nicht. Und er wuchs und wuchs. Im Winter und auch im Sommer war er grün. Dunkelgrün.

Als die Leute ihn sahen, sagten sie: »Das ist ein schöner Baum!«

Zur Weihnachtszeit wurde der Tannenbaum gefällt.

Die Axt ging tief in den Stamm. Der Baum fiel mit einem Seufzer zu Boden. Er fühlte einen Schmerz. Eine Ohnmacht. Er konnte nicht an irgendein Glück denken. Er war traurig. Er musste die Heimat verlassen. Nie mehr würde er die kleinen Büsche und Blumen sehen. Ja, vielleicht nicht einmal die Vögel.

Der Baum wurde im Hof mit den anderen Bäumen abgeladen. Ein Mann sagte: »Dieser Baum hier ist prächtig! Diesen wollen wir!«

Da kamen 2 Diener. Sie trugen den Tannenbaum in einen großen, schönen Saal. An allen Wänden hingen Bilder. Neben dem großen Ofen standen große chinesische Vasen mit Löwen. Es gab Schaukelstühle, seidene Sofas, große Tische voller Bilderbücher und Spielzeug.

Der Tannenbaum wurde in ein großes Gefäß gestellt. Es war mit Sand gefüllt. Rundherum hatte es grüne Zweige. Das Gefäß stand auf einem großen bunten Teppich.

Oh, wie aufgeregt der Baum war! Was würde nun geschehen?

Die Diener und die Fräulein schmückten den Baum. An seine Zweige hängten sie kleine Tüten aus farbigem Papier. In jeder Tüte waren Süßigkeiten. Vergoldete Äpfel und Nüsse hingen herab, als wären sie festgewachsen. Mehr als hundert rote, blaue und weiße Kerzen steckten sie an den Zweigen fest. In den grünen Zweigen hingen Puppen, die wie Menschen aussahen. Der Tannenbaum hatte früher nie so etwas gesehen. Hoch oben auf der Baumspitze befestigten die Fräulein einen goldenen Stern. Das war prächtig, ganz besonders prächtig!

Alle sagten: »Heute Abend wird der Baum strahlen!«

Der Tannenbaum dachte: Oh, wäre es doch Abend! Wenn sie doch nur die Kerzen bald anzünden! Was dann wohl geschieht? Ob die anderen Bäume aus dem Wald kommen, um mich zu sehen? Ob die Sperlinge durch die Fensterscheiben schauen? Ob ich hier festwachse und im Winter und im Sommer geschmückt hier stehe?

Aber er hatte tüchtige Schmerzen in der Rinde vor lauter Sehnsucht. Rinden-Schmerzen sind für einen Baum ebenso schlimm wie Kopf-Schmerzen für uns.

Nun wurden die Lichter angezündet. Welch ein Glanz! Welch eine Pracht!

Der geschmückte Weihnachtsbaum

Der Baum zitterte in allen Zweigen. Eine Kerze wackelte und fiel um. Die Tannen-Nadeln brannten. Es qualmte ordentlich.

Die Fräulein schrien: »Lieber Gott im Himmel!« Hastig löschten sie das Feuer.

Jetzt durfte der Baum nicht mehr zittern. Oh, das war ein Schreck. Er hatte Angst um seinen Schmuck. Er war ganz betäubt von all dem Glanz.

Nun gingen die Türen auf. Viele Kinder stürzten herein. Als sie den Baum sahen, blieben sie stumm stehen. Aber nur einen kurzen Augenblick. Dann jubelten sie, dass es nur so schallte. Sie tanzten um den Baum herum.

Ein Geschenk nach dem anderen pflückten sie ab. Was machen sie? dachte der Baum. Was soll geschehen?

Die Kerzen brannten bis dicht an die Zweige herunter. Immer wenn eine niederbrannte, wurde sie gelöscht.

Jetzt bekamen die Kinder die Erlaubnis, den Baum zu plündern. Sie durften sich Süßigkeiten von den Zweigen pflücken. Oh, sie stürzten sich auf ihn. Es knackte in allen Zweigen. Fast wäre der Tannenbaum umgestürzt.

Die Kinder tanzten mit ihrem prächtigen Spielzeug herum. Niemand sah nach dem Baum. Nur die alte Kinderfrau sah ihn an. Sie kam heran und blickte zwischen die Zweige. Aber nur, um nach einer Feige oder einem Apfel zu suchen.

Die Kinder riefen: »Eine Geschichte! Eine Geschichte!«

Sie zogen einen kleinen dicken Mann zum Baum hin. Dieser setzte sich darunter.

Der Mann sagte: »Hier sind wir im Grünen und der Baum kann zuhören. Aber ich erzähle nur eine einzige Geschichte. Wollt ihr die von Ivede-Avede oder die von Klumpe-Dumpe hören?«

Einige schrien: »Ivede-Avede!« Andere schrien: »Klumpe-Dumpe!«

Das war ein Rufen und Schreien! Nur der Tannenbaum schwieg ganz still. Er dachte: Und was soll ich machen? Werde ich gar nichts dabei zu tun haben?

Der alte Mann erzählte die Geschichte von Klumpe-Dumpe. Klumpe-Dumpe, der die Treppe herunter fiel und doch die Prinzessin erhielt. Die Kinder klatschten in die Hände und riefen: »Erzähle! Erzähle!« Sie wollten auch die Geschichte von Ivede-Avede hören. Aber sie bekamen nur die von Klumpe-Dumpe.

Der Tannenbaum stand ganz stumm und voller Gedanken. Nie hatten die Vögel im Wald so etwas erzählt. Klumpe-Dumpe fiel die Treppe hinunter und bekam doch die Prinzessin.

Ja, ja! So geht es in der Welt zu! dachte der Tannenbaum. Vielleicht falle ich auch die Treppe hinunter und bekomme eine Prinzessin. Und er freute sich darauf, am nächsten Tag wieder mit Kerzen und Spielzeug, Gold und Früchten geschmückt zu werden. Morgen werde ich nicht zittern! dachte der Tannenbaum. Ich will mich all meiner Herrlichkeit erfreuen. Morgen werde ich wieder die Geschichte von Klumpe-Dumpe und vielleicht auch die von Ivede-Avede hören. Und der Baum stand die ganze Nacht still und dachte nach.

Am Morgen kamen die Diener und das Mädchen herein. Der Baum dachte, nun beginnt das Schmücken aufs Neue. Aber sie schleppten ihn zum Zimmer hinaus und die Treppe hinauf auf den Boden. Hier stellten sie ihn in eine dunkle Ecke. Kein Sonnenlicht schien hier hin.

Was soll das bedeuten? dachte der Baum. Was soll ich hier machen? Was bekomme ich hier wohl zu hören?

Er lehnte sich an die Mauer und dachte und dachte. Dafür hatte er viel Zeit. Denn es vergingen Tage und Nächte. Niemand kam herauf. Niemand.

Endlich kam doch jemand. Aber nur um einige große Kästen in die Ecke zu stellen. Nun stand der Baum ganz versteckt. Er glaubte, dass alle ihn völlig vergessen hatten.

Jetzt ist Winter, dachte der Baum. Die Erde ist hart und mit Schnee bedeckt. Die Menschen können mich jetzt nicht pflanzen. Deshalb soll ich wohl bis zum Frühjahr hier geschützt stehen. Wie gut das bedacht ist. Wie gut doch die Menschen sind! Wenn es hier nur nicht so dunkel und schrecklich einsam wäre. Nicht einmal ein kleiner Hase kommt vorbei. Das war doch hübsch da draußen im Wald, wenn der Schnee lag. Ja, selbst als der Hase über mich hinweg hüpfte. Das war doch schön. Aber damals konnte ich es nicht leiden. Hier oben ist es doch schrecklich einsam.

»Piep, piep!«, sagte da eine kleine Maus und huschte hervor. Dann kam noch eine kleine. Sie beschnüffelten den Tannenbaum. Sie schlüpften zwischen seine Zweige.

Die kleinen Mäuse sagten: »Es ist eine grässliche Kälte! Sonst ist es gut hier! Nicht wahr alter Tannenbaum?«

Der Tannenbaum und die Mäuse

Der Tannenbaum sagte: »Ich bin gar nicht alt. Es gibt viele, die viel älter sind als ich.«

Die Mäuse fragten: »Wo kommst du her? Was weißt du?«

Sie waren sehr neugierig. »Erzähle uns doch von dem schönsten Ort auf Erden. Bist du dort gewesen? Wo Käse auf den Brettern liegen. Wo Schinken unter der Decke hängen? Wo man mager hineingeht und fett heraus kommt?«

Der Baum sagte: »Das kenne ich nicht. Aber den Wald kenne ich. Wo die Sonne scheint und die Vögel singen!«

Dann erzählte er von seiner Jugend.

Die kleinen Mäuse hatten so etwas noch nie gehört. Sie horchten und sagten: »Wie viel du gesehen hast! Wie glücklich du warst.«

»Ich?«, sagte der Tannenbaum. Er dachte darüber nach. Dann sagte er: »Ja, eigentlich war es eine ganz fröhliche Zeit.« Aber dann erzählte er vom Weihnachtsabend. Wo er mit Kuchen und Kerzen geschmückt war.

»Oh«, sagten die kleinen Mäuse, »wie glücklich du warst. Du alter Tannenbaum!«

Der Baum sagte: »Ich bin gar nicht alt. Ich bin in meinem besten Alter. Ich bin nur so schnell gewachsen.«

Die kleinen Mäuse sagten: »Wie schön du erzählst.«

In der nächsten Nacht kamen sie mit 4 kleinen Mäusen. Die sollten den Baum auch erzählen hören.

Je mehr der Baum erzählte, um so besser erinnerte er sich an alles: Es waren doch ganz fröhliche Zeiten! Vielleicht kommen sie ja wieder. Klumpe-Dumpe fiel die Treppe hinunter und erhielt doch eine Prinzessin. Vielleicht kann ich auch eine Prinzessin bekommen! Und dann dachte der Tannenbaum an eine kleine niedliche Birke. Sie wuchs draußen im Wald. Sie war für ihn eine wirklich schöne Prinzessin.

Die kleinen Mäuse fragten: »Wer ist Klumpe-Dumpe?«

Da erzählte der Tannenbaum das ganze Märchen. Er konnte sich an jedes einzelne Wort erinnern.

Die kleinen Mäuse waren kurz davor, vor lauter Freude bis an die Spitze des Baums zu springen.

In der nächsten Nacht kamen noch mehr Mäuse. Am Sonntag waren sogar 2 Ratten dabei. Aber die Ratten sagten, die Geschichte ist nicht hübsch. Das machte die kleinen Mäuse traurig. Nun gefiel ihnen die Geschichte auch nicht mehr so gut.

Die Ratten und die Mäuse

Die Ratten fragten: »Tannenbaum, kennen Sie nur die eine Geschichte?«

Der Baum sagte: »Ja, nur die eine. Die hörte ich an meinem glücklichsten Abend. Aber damals wusste ich nicht, wie glücklich ich war.«

Die Ratten sagten: »Das ist eine jämmerliche Geschichte. Kennen Sie keine von Speck? Keine Geschichte, die in einer Speisekammer spielt?«

Der Baum sagte: »Nein«.

Die Ratten erwiderten: »Dann danken wir dafür«, und sie gingen weg. Die kleinen Mäuse kamen auch nicht mehr.

Da seufzte der Baum: »Es war doch ganz schön, als sie um mich herum saßen. Die flinken kleinen Mäuse. Und wie sie zuhörten. Nun ist auch das vorbei. Aber ich werde daran denken und mich freuen, wenn mich die Menschen wieder hervor holen.«

Doch wann war es endlich soweit?

Eines Morgens kamen die Menschen. Sie arbeiteten auf dem Boden. Die Kästen wurden zur Seite geschoben. Der Baum wurde hervor gezogen. Die Menschen warfen den Baum ziemlich grob auf den Fußboden. Ein Diener schleppte ihn zur Treppe, wo Tageslicht hinschien.

Der Baum dachte: »Jetzt beginnt wieder das Leben!«

Er fühlte die frische Luft, die ersten Sonnenstrahlen. Nun war er draußen im Hof. Das ging so schnell.

Hinter dem Hof war ein Garten. Alles blühte. Die Rosen hingen frisch und duftend über dem kleinen Zaun. Die Lindenbäume blühten und die Schwalben flogen umher. Sie sagten: »Quirre-virre-vit, mein Mann ist da!«

Aber sie meinten nicht den Tannenbaum.

Der Tannenbaum jubelte: »Nun werde ich leben!«, und er breitete weit seine Zweige aus.

Aber ach, die waren alle vertrocknet und gelb. Und er lag da zwischen Unkraut und Brennnesseln. Der Stern von Goldpapier war noch oben an der Spitze. Er glänzte im hellen Sonnenschein.

Im Hof spielten einige Kinder. Sie hatten zur Weihnachtszeit um den Baum getanzt. Sie waren so froh über ihn gewesen.

Eins der kleinen Kinder lief hin und riss den Goldstern ab. Es sagte: »Sieh, was da noch an dem hässlichen alten Tannenbaum ist!«

Das Kind trat auf die Zweige, dass sie unter seinen Schuhen knackten.

Der Baum sah all die Blumen, Sträucher und Bäume im Garten. Alles war ganz prächtig. Und da betrachtete er sich selbst. Oh, wie vertrocknet er doch ist. Er wünschte sich, dass er in seiner dunklen Ecke geblieben wäre. Dann dachte er an seine Jugend im Wald. Er dachte an den lustigen Weihnachtsabend und an die kleinen Mäuse.

Der arme Baum sagte: »Vorbei! Vorbei! Hätte ich mich doch gefreut, als ich es noch konnte! Vorbei! Vorbei!«

Da kam ein Mann. Er schlug den Baum in kleine Stücke. Ein ganzes Bündel Holz lag da. Hell flackerte schon das Feuer.

Der Baum seufzte tief. Jeder Seufzer war wie ein kleiner Schuss.

Da liefen die Kinder herbei. Sie setzten sich vor das Feuer. Sie blickten hinein und riefen: »Piff! Paff!«

Die Kinder vor dem Feuer

Bei jedem Knall dachte der Baum an einen Sommertag im Wald oder an eine Winternacht da draußen, wenn die Sterne funkelten. Er dachte an den Weihnachtsabend und an Klumpe-Dumpe. Das einzige Märchen, das er je gehört hatte und erzählen konnte.

Dann war der Baum weg. Er war verbrannt.

Die Knaben spielten im Garten. Der kleinste hatte den Goldstern auf der Brust, den der Baum an seinem glücklichsten Abend getragen hatte. Nun war der Abend vorbei. Und mit dem Baum war es vorbei.

Und mit der Geschichte ist es nun auch vorbei.

Vorbei, vorbei! - So geht es mit allen Geschichten.

Ende

Der Tannenbaum von Hans Christian Andersen
Übertragen in Einfache Sprache von Doreen Hennig

Die Illustrationen stammen von Helen Stratton aus The fairy tales of Hans Christian Andersen, J. B. Lippincott Company, Philadelphia, 1899

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