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Alexandra erzählt: Und was ist mit Infotexten - Teil 2 Vorlesen

20. Dez 2019Alexandra erzählt
Alexandra Lüthen auf der Leipziger Buchmesse, Foto Matthias Heinzmann
Alexandra liest.

Weil der Text so lang war: Habe ich ihn aufgeteilt.
Im ersten Teil habe ich über Info-Texte in Wohn-Gruppen erzählt.
Es gibt in Wohn-Gruppen Regeln.
Und es ist gut: Wenn man darüber Bescheid weiß.
Regeln sind immer Info-Texte.
Nicht lustig zu lesen.
Aber wichtig zu wissen.

Wenn ich in einer Wohn-Gruppe lebe:
Dann will ich die Regeln kennen.
Und lese sie.
Ich lebe aber nicht nur in einer Wohn-Gruppe.
Ich lebe auch in Deutschland.
Also muss ich zum Beispiel auch wissen:
Was für Regeln gibt es in Deutschland?

In Deutschland ist es so:
Menschen mit Betreuer dürfen nicht so viel selbst bestimmen.
Manche Menschen mit Betreuer durften nicht zur Bundestags-Wahl gehen.
Bei der Bundestags-Wahl wird aber bestimmt:
Welche Partei in Deutschland die Regierung ist.
Das ist sehr wichtig.
Auch für Menschen mit Betreuer.
Sie wollten auch wählen.
Sie haben de·monstriert.
De·monstrieren ist das schwere Wort für:
Zeigen, was man will.
Die Menschen mit Betreuer waren nicht still.
Sie waren laut.
Sie haben keine Ruhe gegeben.

Das Gesetz wurde geändert.
Jetzt dürfen auch Menschen mit Betreuer wählen.
Sie dürfen sagen, welche Partei sie gut finden.
Und ihre Meinung zählt für die Wahl.
Sie dürfen ihre Stimme einer Partei geben.

Welche Partei bekommt meine Stimme?
Das muss ich selbst entscheiden.
Nicht mein Betreuer.
Es ist eine geheime Wahl.
Es ist allein meine Sache: Wer meine Stimme bekommt.

Ich muss vorher wissen:
Was macht die Partei?
Das steht in einem Info-Text.
Das ist das Partei-Programm.
Jede Partei schreibt auf:
Was sie machen wird, wenn sie die meisten Stimmen bekommt.
Zum Beispiel neue Gesetze.

Partei-Programme sind sehr lange Texte.
Es ist schwer, die wichtigen Stellen zu finden.
Es ist gut, wenn alle Partei-Programme in Leichter Sprache sind.
Dann kann ich wirklich vergleichen.
Und meine Stimme geben.

Nach der Wahl will ich wissen:
Welche Partei hat gewonnen?
Das kommt in den Nachrichten im Fernsehen.
Es steht in der Zeitung.
Alle sollen es wissen.
Es ist auch nicht so schwer.
Man kann es leicht schreiben.
Warum macht man es nicht einfach?
Warum sagen Menschen,
dass Nach·richten in Einfacher Sprache nicht wichtig sind?

Ich glaube: Das hat mit Macht zu tun.
Vielleicht ist es nicht böse gemeint.
Vielleicht denken Leute auch,
dass es wirklich nicht so wichtig ist.
Aber: Das sind alles Leute,
die gut lesen und schreiben können.
Und schnell reden.
Und normal schnell denken.
Die brauchen keine Leichte Sprache.
Und wollen auch nicht,
dass alle mit·bestimmen.
Deshalb sagen sie: Das müssen andere Menschen nicht wissen.

Es gibt ein Sprich·wort. Es geht so:
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Es be·deutet:
Wenn ich Sachen nicht weiß,
dann rege ich mich auch nicht auf.

Manchmal ist das auch schön.
Aber bei manchen Sachen:
Da will ich mich aufregen!
Da will ich genau wissen: Warum? Weshalb? Wieso?
Und dann auch sagen: Nein! Ich bin nicht ein·verstanden!
Oder: Ja! Genau so soll es sein!
Oder: Naja. Da will ich noch·mal drüber reden.

Es gibt noch ein Sprich·wort:
Wissen ist Macht.
Genau so ist es.
Wissen ist Macht, das heißt:
Wenn ich etwas weiß,
dann kann ich dazu etwas sagen.
Dann bestimme ich mit.

Und genau darum geht es: Mit·bestimmen.
Mit·bestimmen ist das leichte Wort für Demokratie.
Demokratie heißt: Alle dürfen mit·bestimmen.
Und in Deutschland haben wir eine Demo·kratie.

Das heißt nicht: Alle Menschen mit Betreuern wollen Bundes·kanzlerin werden.
Oder: Menschen mit Behinderung machen jeden Tag Demos.
Oder: Keiner geht mehr in die Werkstatt zum Arbeiten. Weil es Streik gibt.
Aber: Menschen mit Behinderung wissen dann:
Das würde gehen. Das kann ich machen.
Bundeskanzerlin werden.
Streiken
Etwas verändern.
Und das ist ein sehr wichtiges Gefühl.

Für das Gefühl „Das kann ich machen!“ gibt es auch ein schweres Wort: Selbst·Wirksamkeit.
Das ist ein Gefühl, das alle Menschen brauchen.
Es tut Menschen gut, wenn sie wissen:
Ich kann über mein Leben bestimmen.
Vieles ist möglich.
Mit Ideen und wenn ich weiß, was ich will.

Woher weiß ich, was ich will?
Wie komme ich auf Ideen?
Zum Beispiel durch Lesen.
Auch Info-Texte.
Da ist das Wissen drin.
Und Wissen: ist Macht.
Macht mal!
Macht Spaß!

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